Donnerstag, 1. August 2013

Anfang die Zweite

Wo war ich stehen geblieben?
Die ersten Wochen liefen bombastisch. Wir haben uns extrem gut verstanden, waren auf einem Level. Zu der Zeit wohnte er bei einem Freund, sie wollten zusammen eine Firma gründen. Das ging nach hinten los, den nach kurzer Zeit verschwand der Freund spurlos, kündigte die Wohnung. Mein Freund hatte also keinen Wohnsitz, keinen Job. Aber egal, unser Leben bestand aus Party und Liebe. Und Drogen. Genug davon.
Er kam bei seiner Schwester unter und von da an ging es bergab. Er kümmerte sich um gar nichts, nicht um einen Job, weil ja seine Wohnsituation das nicht "zulässt", wie er behauptete. Immer wieder gab es kleine Möglichkeiten für ihn, aber nie hat es geklappt aus welchen Gründen auch immer. Ob es nun an seiner eigenen Faulheit lag oder an äußeren Umständen, nie hat etwas funktioniert, was uns Hoffnung gab.
Dennoch haben wir in den letzten 6 Monaten zwischenmenschlich so viel voneinander gelernt, gewonnen. Haben eine Liebe entwickelt, die es uns einfach nicht erlaubt, uns voneinander zu lösen. Und genau diese Liebe hat meine emotionale Abhängigkeit eingeschaltet. Obwohl ich das Ganze nie an mich ran lassen wollte, meinen eigenen Weg gehen wollte, habe ich angefangen mich so sehr in seine Probleme hinein zu steigern, dass ich meine eigenen dabei hinten angestellt habe. Ich habe meine Freundschaften schleifen lassen und beinahe meine beste Freundin seit 20 Jahren verloren. Zu Hause habe ich auch nichts mehr beigetragen, ganz zu schweige von meiner Ausbildung.

Willkommen im Hier und jetzt. Die Situation wurde für mich immer schwieriger, ich konnte Ultimaten die ich ihm stellte nicht konsequent durchziehen aus Angst ihn zu verlieren. Vor ein paar Tagen dann lief das Fass über. Wir telefonierten Abends, ich musste weinen weil mich alles überforderte. Auch der Hass meiner Freunde ihm gegenüber zog mich so runter, dass ich nur noch schlecht gelaunt war. Er richtete mich wieder auf, hielt mir sozusagen meine eigenen Weisheiten vor, von wegen man soll immer versuchen das Positiver heraus zu holen. Er schaffte es, mir erneut Hoffnung und Stärke zu geben. Am nächsten Morgen wollte er mit seiner Mutter zum Einwohnermeldeamt, um ihn bei ihr zu melden. Damit er wenigstens einen Wohnsitz hat und sich auf Wohnung und Job konzentrieren kann.
Um 11 Uhr morgens bekam ich dann einen Anruf von seiner Mutter. Ob er bei mir sei. War er nicht, aber ich wusste schon genau wo er war. Ich rief also seinen Kollegen an, fragte ihn was sie so machten. Er antwortete mit "Ich sitze am PC, er schläft."
Da platzte mir der Kragen. Alle Hoffnung zunichte. Wieder einen Termin verschlafen. Wieder nur das Blaue vom Himmel gelabert. Ich sagte dem Kollegen, weck ihn mal und gib ihn mir dann. Er tat das auch. Ich war außer mir. Hab ihn angeschrien, er soll seinen Arsch hoch kriegen und dann aufgelegt.
Dann war erst einmal Funkstille für ein paar Stunden. Ich schrieb ihm auf Facebook (Er hat kein Handy im Moment), dass das für mich nicht mehr tragbar ist und dass ich nun endlich meine Konsequenzen ziehe. Dass er sein Leben auf die Reihe kriegen soll und dann gerne wieder kommen kann. Später haben wir noch telefoniert. Er warf mir vor, dass meine Heulerei ihn abhalten würde, seine Sachen zu regeln weil ich seinen Kopf ja damit ficke. Dass ich in den letzten Tagen so am Rad drehe, seit wir am Wochenende total auf Drogen waren und ich ja hängen geblieben sei auf meinem Pessimismus-Film. Dann hab ich Schluss gemacht.
Gestern dann haben wir uns wieder gesehen, er gab mir mein Ladekabel wieder und wir haben geredet. Er hat mir erklärt dass das nun mal scheiße gelaufen war aber seine Mutter nach wie vor bereit sei, ihn aufzunehmen. Dass ich gerade jetzt, wo eine ernsthafte Chance besteht, wo alles mehr oder weniger in die richtige Richtung läuft, aufgeben würde.
Ich wollte nicht aufgeben. Ich gebe nie auf. Ich gebe erst auf wenn es schon zu spät ist, damit ich mir am Ende nicht vorwerfen kann, es nicht versucht zu haben. Nach viel hin und her stand ich schließlich vor der Entscheidung: Will ich es versuchen, weil ich ihn liebe, weil es mal wieder Hoffnung gibt, weil ich es versucht haben will? Oder sehe ich ein dass meine Kraft nicht mehr reicht?

Ich habe mich entschieden, es zu versuchen. Nicht aufzugeben und das mit ihm zusammen durchzuziehen. Später am Abend allerdings, ich war alleine zu Hause, habe ich intensiv nachgedacht. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass meine emotionale Abhängigkeit mich mehr kaputt macht als seine Faulheit.

Gerade eben haben wir telefoniert. Und ich habe ihm gesagt dass wir uns 2 Wochen nicht sehen werden. Dass ich Abstand brauche. Dass ich von ihm erwarte, dass er das akzeptiert und auf mich wartet, wenn er mich wirklich liebt. Er akzeptiert es und wartet, auch wenn er eigentlich nicht damit einverstanden ist.

Tja, was soll ich noch sagen. Es ist schwer für mich, ihm jetzt nicht zu schreiben, obwohl ich sehe dass er online ist. Schwer zu akzeptieren dass ich konsequent bleiben muss.

Es ist schwer zu wissen, ob das die richtige Entscheidung war...

Der Anfang anzufangen ist hart.

So. Da sitze ich nun auf meinem Bett, in meiner kleinen Zimmer um zwanzig nach zwölf und versuche, erneut meinen ersten Blogeintrag zu verfassen. Erneut aus dem Grund, weil ich es gerade geschafft habe, mit irgendeiner ungelenken Tastenkombination meinen bisher geschriebenen Text ins ewige Jenseits dieses Textfensters zu verbannen.
Wie dem auch sei, ich weiß nach wie vor nicht so richtig wie ich anfangen soll. Was ich weiß ist, dass ich das Bedürfnis habe, mich mitzuteilen. Dass ich die Menschen, denen ich fähig bin mich mitzuteilen, an weniger als einer Hand abzählen kann, was allein schon eine traurige Tatsache ist. Naja vielleicht nicht ganz so traurig. Man sagt doch immer, nicht viele Freunde haben aber dafür die Richtigen. Und selbst an dem Punkt bin ich momentan am zweifeln. Ich zweifle an vielen Dingen in meinem Leben. Das ist nicht immer so gewesen. Denn ich weiß auch, dass ich momentan eine der schwierigsten Zeiten meines bisherigen Lebens durchmache. Ob man das mit 22 Jahren schon sagen kann, sei mal dahin gestellt.

Vielleicht könnte ich auch einfach damit anfangen, warum ich eigentlich einen Blog beginne und was hier überhaupt drin stehen wird. Wie ich schon schrieb, ich habe das Bedürfnis mich mitzuteilen. Und ich habe in letzter Zeit öfter die Erfahrung gemacht, dass gerade Menschen, die man gar nicht kennt - Menschen, die absolut keine emotionale Bindung zu einem haben, bessere Ratschläge und Weisheiten verteilen als die, von denen man glaubt dass sie einen "kennen" oder "verstehen". Das ist nicht gehässig gemeint gegenüber letzteren genannten Menschen, es ist einfach eine Erfahrung die ich gemacht habe. Sobald Emotionen im Spiel sind, beginnt man zu werten. Und genau das bin ich einfach leid. Die Wertung anderer Menschen, die meinen, dass sie das ja alles schon mal erlebt haben, die meinen sie wüssten was ich durchmache, die meinen sie hätten den Masterplan.
Es gibt nun mal keinen Masterplan. Es gibt ja nicht mal nen Master.

Meine Situation...ist kompliziert. Und eigentlich ist es echt scheiße schwer, sowas zu erklären, wenn man seit 6 Monaten mitten drin steckt. Aber ich will's trotzdem versuchen, denn wenn mein Blog hingegen meines Glaubens tatsächlich regelmäßige Leser gewinnt, sollen die natürlich auch wissen worum es mir geht.
Ohne jetzt auf die Details einzugehen: vor 6 Monaten lernte ich einen Mann kenne, auf einer Party. Wir waren beide vollkommen zugedröhnt mit was auch immer, haben uns gut verstanden, haben auf der Tanzfläche geknutscht und einfach unseren Spaß miteinander gehabt. Ich war auf der Suche nach was Lockerem. Was Körperlichem. Nichts Festes, bloß nicht! Wir haben uns hie und da mal gesehen, uns bei meiner besten Freundin getroffen. Er hat oft den Arm um mich gelegt, Händchen gehalten in der Öffentlichkeit. Bis ich ihm gesagt habe, dass das nicht drin ist. Dass ich unsere körperliche Beziehung ausschließlich aufs Bett reduzieren will. Dass die Leute nicht denken sollen wir seien zusammen. Er kam damit klar.
Man traf sich öfter, wohlbemerkt, man hatte noch nicht miteinander geschlafen! Dann diese SMS von mir. Dass ich mir irgendwie doch mehr vorstellen könnte. Er hat sich gefreut. War der selben Meinung. Und über kurz oder lang kamen wir zusammen.
Vorweg muss ich aber sagen: Zu dem Zeitpunkt war er Vollzeit-Drogendealer und im Begriff das Ganze sein zu lassen. Ich habe von Beginn an klipp und klar gestellt: ich will nicht ewig mit nem Dealer zusammen sein. Er soll seinen Plan verfolgen und ein normales Leben führen, erst dann hat die Beziehung eine faire Chance. Das war auch das was er wollte. Job, Wohnung, das volle Spießer-Programm.

Ich möchte nun nur noch hinzufügen, dass es die ersten Wochen bombastisch gut lief und wir uns geliebt haben als gäbe es keinen Morgen mehr.
Denn ich bin so müde, dass meine Finger schon die Tasten verfehlen.
Morgen bringe ich meine Geschichte zu Ende.
Soll ja spannend bleiben ;)

In diesem Sinne: hoffentlich liest das jemand :D

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