Anfang die Zweite

Wo war ich stehen geblieben?
Die ersten Wochen liefen bombastisch. Wir haben uns extrem gut verstanden, waren auf einem Level. Zu der Zeit wohnte er bei einem Freund, sie wollten zusammen eine Firma gründen. Das ging nach hinten los, den nach kurzer Zeit verschwand der Freund spurlos, kündigte die Wohnung. Mein Freund hatte also keinen Wohnsitz, keinen Job. Aber egal, unser Leben bestand aus Party und Liebe. Und Drogen. Genug davon.
Er kam bei seiner Schwester unter und von da an ging es bergab. Er kümmerte sich um gar nichts, nicht um einen Job, weil ja seine Wohnsituation das nicht "zulässt", wie er behauptete. Immer wieder gab es kleine Möglichkeiten für ihn, aber nie hat es geklappt aus welchen Gründen auch immer. Ob es nun an seiner eigenen Faulheit lag oder an äußeren Umständen, nie hat etwas funktioniert, was uns Hoffnung gab.
Dennoch haben wir in den letzten 6 Monaten zwischenmenschlich so viel voneinander gelernt, gewonnen. Haben eine Liebe entwickelt, die es uns einfach nicht erlaubt, uns voneinander zu lösen. Und genau diese Liebe hat meine emotionale Abhängigkeit eingeschaltet. Obwohl ich das Ganze nie an mich ran lassen wollte, meinen eigenen Weg gehen wollte, habe ich angefangen mich so sehr in seine Probleme hinein zu steigern, dass ich meine eigenen dabei hinten angestellt habe. Ich habe meine Freundschaften schleifen lassen und beinahe meine beste Freundin seit 20 Jahren verloren. Zu Hause habe ich auch nichts mehr beigetragen, ganz zu schweige von meiner Ausbildung.

Willkommen im Hier und jetzt. Die Situation wurde für mich immer schwieriger, ich konnte Ultimaten die ich ihm stellte nicht konsequent durchziehen aus Angst ihn zu verlieren. Vor ein paar Tagen dann lief das Fass über. Wir telefonierten Abends, ich musste weinen weil mich alles überforderte. Auch der Hass meiner Freunde ihm gegenüber zog mich so runter, dass ich nur noch schlecht gelaunt war. Er richtete mich wieder auf, hielt mir sozusagen meine eigenen Weisheiten vor, von wegen man soll immer versuchen das Positiver heraus zu holen. Er schaffte es, mir erneut Hoffnung und Stärke zu geben. Am nächsten Morgen wollte er mit seiner Mutter zum Einwohnermeldeamt, um ihn bei ihr zu melden. Damit er wenigstens einen Wohnsitz hat und sich auf Wohnung und Job konzentrieren kann.
Um 11 Uhr morgens bekam ich dann einen Anruf von seiner Mutter. Ob er bei mir sei. War er nicht, aber ich wusste schon genau wo er war. Ich rief also seinen Kollegen an, fragte ihn was sie so machten. Er antwortete mit "Ich sitze am PC, er schläft."
Da platzte mir der Kragen. Alle Hoffnung zunichte. Wieder einen Termin verschlafen. Wieder nur das Blaue vom Himmel gelabert. Ich sagte dem Kollegen, weck ihn mal und gib ihn mir dann. Er tat das auch. Ich war außer mir. Hab ihn angeschrien, er soll seinen Arsch hoch kriegen und dann aufgelegt.
Dann war erst einmal Funkstille für ein paar Stunden. Ich schrieb ihm auf Facebook (Er hat kein Handy im Moment), dass das für mich nicht mehr tragbar ist und dass ich nun endlich meine Konsequenzen ziehe. Dass er sein Leben auf die Reihe kriegen soll und dann gerne wieder kommen kann. Später haben wir noch telefoniert. Er warf mir vor, dass meine Heulerei ihn abhalten würde, seine Sachen zu regeln weil ich seinen Kopf ja damit ficke. Dass ich in den letzten Tagen so am Rad drehe, seit wir am Wochenende total auf Drogen waren und ich ja hängen geblieben sei auf meinem Pessimismus-Film. Dann hab ich Schluss gemacht.
Gestern dann haben wir uns wieder gesehen, er gab mir mein Ladekabel wieder und wir haben geredet. Er hat mir erklärt dass das nun mal scheiße gelaufen war aber seine Mutter nach wie vor bereit sei, ihn aufzunehmen. Dass ich gerade jetzt, wo eine ernsthafte Chance besteht, wo alles mehr oder weniger in die richtige Richtung läuft, aufgeben würde.
Ich wollte nicht aufgeben. Ich gebe nie auf. Ich gebe erst auf wenn es schon zu spät ist, damit ich mir am Ende nicht vorwerfen kann, es nicht versucht zu haben. Nach viel hin und her stand ich schließlich vor der Entscheidung: Will ich es versuchen, weil ich ihn liebe, weil es mal wieder Hoffnung gibt, weil ich es versucht haben will? Oder sehe ich ein dass meine Kraft nicht mehr reicht?

Ich habe mich entschieden, es zu versuchen. Nicht aufzugeben und das mit ihm zusammen durchzuziehen. Später am Abend allerdings, ich war alleine zu Hause, habe ich intensiv nachgedacht. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass meine emotionale Abhängigkeit mich mehr kaputt macht als seine Faulheit.

Gerade eben haben wir telefoniert. Und ich habe ihm gesagt dass wir uns 2 Wochen nicht sehen werden. Dass ich Abstand brauche. Dass ich von ihm erwarte, dass er das akzeptiert und auf mich wartet, wenn er mich wirklich liebt. Er akzeptiert es und wartet, auch wenn er eigentlich nicht damit einverstanden ist.

Tja, was soll ich noch sagen. Es ist schwer für mich, ihm jetzt nicht zu schreiben, obwohl ich sehe dass er online ist. Schwer zu akzeptieren dass ich konsequent bleiben muss.

Es ist schwer zu wissen, ob das die richtige Entscheidung war...

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